Seltener Gast: Stelzenläufer besucht Saalbachniederung

Seltener Gast: Stelzenläufer besucht Saalbachniederung

Stelzenläufer auf Nahrungssuche in der Saalbachniederung (Foto: NABU Hambrücken)
Stelzenläufer auf Nahrungssuche in der Saalbachniederung (Foto: NABU Hambrücken)

Flachwasserzone aus NABU-Projekt lockt Zug- und Watvögel an

Franz Debatin vom NABU Ham­brücken freut sich über jeden Vogel, den er in der Saal­bach­niede­rung nördlich von Bruch­sal beobachtet. Hin und wieder entdeckt er aber ge­fiederte Gäste, die sein Herz besonders hoch schlagen lassen – so wie am 4. April 2019: Auf langen roten Beinen watete ein Stelzen­läufer durch die Flach­wasser­zone, die im Projekt „Lebens­ader Ober­rhein – Natur­viel­falt von nass bis trocken“ entstanden ist. Der schwarz-weiße Vogel blieb noch zwei weitere Tage dort, bevor er weiter­zog.

„Der Stelzen­läufer schaute 2018 erstmals in der Saal­bach­niederung vorbei. Dass er uns nun schon das zweite Jahr in Folge besucht zeigt, dass wir hier einen an­sprechenden Rast­platz für durch­reisende Vögel ge­schaffen haben“, erklärt Debatin. Das be­stätigen weitere seltene Vögel wie das Tüpfel­sumpf­huhn, die Debatin in den vergangenen Jahren in der Saal­bach­niederung nachwies. Im Früh­sommer 2018 brütete hier sogar der be­drohte Kiebitz – ein Lebens­traum, der für den ehren­amtlichen Natur­schützer in Er­füll­ung ging.  

Dass der Stelzen­läufer ebenfalls in der Saal­bach­niederung brütet, hält Debatin für un­wahr­schein­lich: Der Vogel aus der Familie der Säbel­schnäb­ler legt seine oliv­grünen Eier vor allem in wärmeren Ländern wie Spanien, Süd­frank­reich und Grie­chen­land. Er wech­selt seinen Stand­ort häufig – stets auf der Suche nach Flach­wasser­zonen, in denen er mit seinem langen schwarzen Schnabel Würmer, Insekten oder Schnecken aufpicken kann. Genau diesen Lebens­raum bietet die wieder­vernässte Wiesen­land­schaft in der Saal­bach­nieder­ung, wo sich noch Mitte der 1980er-Jahre intensiv genutzte Äcker erstreckten. Zu ver­danken ist diese Ver­wand­lung Franz Debatin und dem NABU Ham­brücken. Die Ehren­amt­lichen pacht­eten hier Flächen und über­zeug­ten Land­wirte von einer natur­verträglich­eren Nutz­ung. So entstand ein 300 Hektar großes Wiesen­gebiet, das zu den größten im Süd­westen zählt.

Der NABU Baden-Württemberg legte im Rahmen des Projekts „Lebens­ader Ober­rhein“ die Flach­wasser­zone an, in der sich der Stelzen­läufer nun aufhielt. Vor rund zwei­ein­halb Jahren wurden hier etwa 12.850 Quadrat­meter Boden um rund 30 Zenti­meter tiefer gelegt, damit Wasser- und Wat­vögel Nahr­ung suchen und finden. NABU-Projekt­leiterin Katrin Fritzsch blickt hoff­nungs­voll auf die Zu­kunft in der Saal­bach­niederung: „Die Projekt­flächen sind zu einem wichtigen Rast­platz zahlreicher Zug­vögel ge­worden. Die Klein­gewässer erfüllen damit eine ent­scheiden­de Funkt­ion zum Erhalt der Bio­logisch­en Viel­falt im ‚Hot­spot‘-Ober­rhein. Wir schließen das Projekt im September ab, die Menschen aus der Ge­gend können sich aber auch in Zu­kunft über seltene und häufigere Vögel freuen – egal, ob sie nur zu Besuch vorbei­schauen oder hier dauer­haft leben.“  

 

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