Rückblick auf die Saison 2016 in der Pflanzen­ver­meh­rungs­sta­tion

Rückblick auf die Saison 2016 in der Pflanzen­ver­meh­rungs­sta­tion

von Jürgen Reincke

Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) (Foto: NABU)
Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) (Foto: NABU)

Die Saison 2016 in der Pflanzenvermehrungsstation des NABU Rheinland-Pfalz geht zu Ende – nun ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen.

In der „Arche Noah für seltene Pflanzen“ wurden in diesem Jahr weit mehr als 2.500 Setzlinge verschiedener Stromtalwiesen- und anderer Arten kultiviert. Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren wurde ein Großteil dieser Jungpflanzen direkt im Raum Bingen ausgepflanzt – in dieser Saison wurden viele der gezogenen Setzlinge zur Rena­tu­rierung einer ehemals als Mirabellenfeld genutzten Stromtalwiese in den Binger Rheinauen herangezogen und mit großem Engagement von den Schulklassen des Pflanzen­retter-Projektes eingepflanzt.

Nach dem Motto „Tausche Saatgut gegen Setzlinge“ wurden zusätzlich knapp 700 Jungpflanzen auf der Grundlage von Saatgutspenden von unterschiedlichen Standorten im gesamten Projektgebiet kultiviert. Die gezogenen Setzlinge werden nun auf den entsprechenden Flächen wiederangesiedelt, um dortige Vorkommen dieser Arten zu stärken.

Zu diesem Zweck wurden für das baden-württembergische Naturschutzgebiet Hirschacker nahe Schwetzingen in dieser Saison 230 Setzlinge von Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) kultiviert und nun zur Auspflanzung dem dortigen NABU-Landesverband überantwortet. 120 Jungpflanzen des Echten Haarstrangs (Peucedanum officinale) ver­ließen die Pflanzenvermehrungsstation, um unter Federführung von Herrn Michael Petersen, Dezernat Naturschutz des Regierungs­präsidiums Darmstadt, im Natur­schutz­gebiet Bruderlöcher in Hessen wiederangesiedelt zu werden. Herr Martin Grund von der NABU-Ortsgruppe Neustadt an der Weinstraße erhielt zwecks Stützung der vom Aussterben bedrohten Population der Wunder-Segge (Carex appropinquata) im Wunder-Seggen-Ried bei Geinsheim 255 gezogene Setzlinge. Schließlich wurden dem Leiter des Naturschutzgroßprojektes Bienwald, Herrn Dr. Peter Keller, 90 Setzlinge des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) zur Wiederansiedlung im gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet im südöstlichen Rheinland-Pfalz übergeben. Im Rahmen der festlichen Einweihung von drei Informationstafeln im hessischen FFH-Gebiet Maul­beer­aue bei Biblis, die seitens Frau Henriette Wache vom Dezernat Naturschutz des Regierungspräsidiums Darmstadt initiiert und organisiert wurde, wurden bereits im September mehr als 200 in der „Arche“ gezogene Setzlinge verschiedener Stromtalwiesenarten ausgepflanzt. Aufgrund des überzeugenden Erfolgs in dieser Saison wird diese Form der „nachfrageorientierten“ Kultivierung von Setzlingen auch im kommenden Jahr wieder im Fokus der Aktivitäten der Pflanzenvermehrungsstation stehen.

Auch von der Fläche mit den Mutterkulturen gibt es Erfreuliches zu berichten: Nahezu alle der im vergangenen Herbst gepflanzten Setzlinge konnten Fuß fassen. Weiß blühende Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), die Blüten des Gelben Sonnenröschens (Helianthemum nummelarium), die blutroten Blütenstände des Großen Wiesen­knopfs (Sanguisorba officinalis) und viele andere Blühpflanzen verwandelten die Fläche in diesem Sommer in ein wahres Blütenmeer, das Schmetterlinge und viele andere Insekten anzog. Entsprechend positiv fiel nun auch die Ernte des Saatgutes aus.

Nun kehrt – nach einer recht erfolgreichen Saison – „Winterruhe“ in der Station ein.

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