Pressemitteilung: Den blauen Fröschen auf der Spur

Pressemitteilung: Den blauen Fröschen auf der Spur

von Jürgen Reincke

blauer Moorfrosch © Jürgen Fischer
blauer Moorfrosch © Jürgen Fischer

P R E S S E D I E N S T - - - - - Nr. 9/15 - - - - - 19.03.2015

Mit den ersten sonnigen Tagen im März beginnt die „blaue Frosch­saison“ in den Rhein­auen. „Nein, bei diesem Natur­schau­spiel der besonderen Art spielt Alkohol keine Rolle, sondern der Moor­frosch kommt in Paarungs­stimmung“, erklärt Egbert Korte, Maß­nah­men­betreuer im Projekt „Lebens­ader Ober­rhein“. „Bei diesem ca. fünf bis sieben Zenti­meter großen und normaler­weise braunen Frosch wechselt zur Paarungs­zeit, Ende März bis Mitte April, die Farbe der männ­lichen Tiere kurzzeitig in intensive Blautöne“, so der Gewässer­biologe Korte.

Der Moorfrosch kommt in Lebensräumen mit hohen Grund­wasser­ständen oder wieder­kehrender Über­schwemmungs­dynamik vor. Dies sind Nieder­moore, Bruch­wälder und die Auen großer Flüsse, wie die des Rheins. Deutsch­land­weit ist die Art selten geworden. Am Ober­rhein kommt dieser Frosch nur noch relikt­artig an wenigen Stellen in geringer Anzahl vor. Durch Begradi­gung des Rheins, Ent­wässerungs­maß­nahmen und Intensi­vierung der Land­wirt­schaft ist sein Lebens­raum in großem Maßstab vernichtet worden.

Auf der Roten Liste der Amphibien Deutschlands wird der Moorfrosch als „gefährdet“ eingestuft. In Hessen und Rheinland-Pfalz ist er sogar „vom Aussterben bedroht“ und kommt nur noch an wenigen Stellen vor. Es gehört also eine gehörige Portion Glück dazu, beim nächsten Spaziergang durch die Rheinauen einen Moorfrosch zu entdecken. Neben der intensiven Blaufärbung, die allerdings nur wenige Tage anhält, gilt es auch den charakteristischen Ruf zu beachten.

„Ihr Rufen ähnelt dem Befüllen einer leeren Flasche mit Wasser oder dem Blubbern mit einem Strohhalm in ein Glas Wasser“, erklärt der Biologe Korte. Besonders intensiv sind diese Rufe bei sonnigem Wetter kurz nach der Mittagszeit. „Je mehr „blaue Männchen“ an dem Laichgewässer zusammenkommen, desto imposanter ist das gesamte Natur­schau­spiel“, so Korte.

Aber nicht nur die Moorfrösche sind in den nächsten Wochen in den Auen unterwegs, nach und nach machen sich alle heimischen Amphibienarten zu ihren Laichgewässern auf. Damit der Moorfrosch und seine Frosch-, Molch- und Krötenverwandtschaft auch weiterhin am Oberrhein eine Heimat finden, setzen sich der NABU Rhein­land-Pfalz und NABU Baden-Württemberg gemeinsam für den Schutz der verbliebenen Amphibienpopulationen ein. In Kooperation mit der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz werden Schutzkonzepte entwickelt und Laichgewässer für Rheinauen-Amphibien neu geschaffen. Dies geschieht im Rahmen des Projekts „Lebens­ader Ober­rhein“, ein vom Bund und den Bundes­ländern am Oberrhein gefördertes Projekt zum Erhalt und Entwicklung der biologischen Vielfalt. Der Oberrhein gilt als einer von bun­des­weit 30 Hotspots der Biologischen Vielfalt. Im Rahmen des sechsjährigen Projektes „Lebens­ader Ober­rhein – Natur­vielfalt von nass bis trocken“, führt der NABU zahl­reiche Maßnahmen durch, die der Förderung der Artenvielfalt in verschiedenen Lebensräumen im Hotspot Ober­rhein dienen. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.lebensader-oberrhein.de.

„Nach dem Anlegen neuer Amphibien­gewässer ist leider häufig zu beobachten, dass Fische illegal in die neuen Gewässer ausge­setzt werden“, weiß Korte als Maß­nahmen­betreuer aus eigner Erfahrung. Dies hat verheerende Auswirkung auf die Amphibien: die Fische fressen den Laich und die Kaulquappen der Amphibien. In Folge dessen können diese das für sie vorgesehene Gewässer nicht besiedeln. Optimale Amphibiengewässer sind daher fischfrei.

Pressedienst des NABU Rheinland-Pfalz
Redaktion: Laura Birkmann
Telefon: 06131/140 39-24 • Fax: 06131/140 39-28 • E-Mail: Laura.Birkmann@NABU-RLP.de
Frauenlobstr. 15-19 • 55118 Mainz

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