Posi­tive Zwischen­bilanz

Posi­tive Zwischen­bilanz

von Anke Beisswänger

Positive Zwischenbilanz und gute Aussichten, auc für diese Pflänzechen auf den Projektflächen (Quelle: NABU/K. Fritzsch)
Positive Zwischenbilanz und gute Aussichten, auc für diese Pflänzechen auf den Projektflächen (Quelle: NABU/K. Fritzsch)

Gemeinsame Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg und des NABU Rheinland-Pfalz vom 17.11.2016

Zur Halbzeit haben die NABU-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die das Projekt für alle drei Länder mit Anteil am Biodiversitäts-Hotspot koordinieren, bereits rund 80 Prozent der geplan­ten Naturschutzvorhaben zwischen Bingen und Bühl umgesetzt. „Wir haben über 30 Amphibientümpel an­gelegt, 13 Sandbiotope instand gesetzt und 200 Baumriesen als Lebensraum für Höhlenbrüter, Totholz­insekten und selten Pflan­zen gesichert, um nur einige Beispiele zu nennen“, berich­ten Projektkoordinator Robert Egeling und Katrin Fritzsch, die für Baden-Württemberg verantwortlich zeichnet. „Mit Aktions­ständen und Infotischen waren wir auf Messen und anderen Groß­ver­anstal­tungen präsent. Hier und im Rahmen unserer Ausstel­lungen hatten mehrere hunderttausend Menschen die Gelegen­heit, mit dem ‚Hotspot‘ und dem Thema biologische Vielfalt in Kontakt zu kommen.“ Die Zusammenarbeit mit regiona­len Part­nern wie NABU-Gruppen, Kommunen, Institutionen wie ForstBW, Einrichtungen wie dem Naturhistorischen Museum Mainz und dem Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört oder Unternehmen wie der Werner & Mertz GmbH bewähre sich. „Diese enge Kooperation ist auch deshalb wichtig, damit unsere Anstrengungen über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung zeigen.“

Naturschutz von „nass“ bis „trocken“

In vielen „nassen“ Bereichen des Hotspots sind die Ergebnisse der Arbeiten im Rahmen des Projekts bereits deutlich sichtbar. So wurden zum Beispiel zahlreiche Feuchtgebiete wiedervernässt. In insgesamt über 30 Tümpeln für bedrohte Amphibienarten konnten schon Moorfrosch, Knoblauchkröte oder Laubfrosch nachgewiesen werden. Zugleich dienen diese Kleingewässer als Best-Practice-Beispiele für andere Akteure im Hotspot, so plant beispielsweise die Stadt Rastatt 15 neue Teiche nach diesem Vorbild anzulegen. Auch der etwa 900 Quadratmeter große neue Lebensraum für den Schlammpeitzger in der Kinzig-Murg-Rinne wird von der außergewöhnlichen, stark bedrohten Fischart gut angenommen. Die Naturschutz­arbeiten in den „trockenen“ Bereichen verlaufen ebenfalls nach Plan: Sandlebensräume wurden wieder vernetzt oder durch gezielte Baumfällungen aufgewertet. Hier breitet sich etwa die stark gefährdete Graue Skabiose wieder stärker aus, eine von 15 Pflanzenarten, für deren Schutz Deutschland eine besondere Verantwortung hat, weil sie vorwiegend hierzulande vor­kommt. Längst verschwunden geglaubte Vogelarten wie die Heidelerche oder stark gefährdete Insekten wie die Grüne Strandschrecke zeigen sich wieder.

Grundlagen für langfristige Effekte

Parallel werden zusammen mit Fachleuten aus Behörden sowie Praktikern zukunftsfähige Konzepte erarbeitet. Dabei geht es zum Beispiel um die Deichpflege, die sowohl dem Hochwasserschutz als auch der Rolle der Deiche als Lebensraum zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten gerecht werden soll. „Das Besondere daran ist, dass Naturschutz- und Wasserbehördenvertreter länderübergreifend zusammen an einem Tisch sitzen und so vom Wissen und den Erfahrungen aller profitieren“, berichtet Egeling. „Wir haben die Chance die Weichen zu stellen, damit zum Beispiel künftig beim Mähen der Deiche der Erhalt der Artenvielfalt eine größere Rolle spielt. 640 Rheinhauptdeich-Kilometer mit mindestens 175 Pflan­zen­arten und vielen seltenen und geschützten Insekten bedeuten ein enormes Potenzial.“ Auch neu geschaffene Daten­banken sind eine wichtige Grundlage, um den Naturschutz im Hotspot voranzubringen. So werden etwa Informationen zur Sandflora zusammengestellt, damit man bei künftigen Renaturierungsprojekten weiß, wo man gebietsheimisches Saatgut beziehen kann.

Einbindung der Menschen als Erfolgsfaktor

„Großen Teilen der Bevölkerung war zum Projektstart 2013 neu, dass sie in einem Hotspot der biologischen Vielfalt zu Hause sind“, sagt Fritzsch. „Um das Bewusstsein für die Besonderheiten vor der eigenen Haustür zu stärken und die Menschen für deren Schutz zu begeistern, sind wir auf vielen Ebenen aktiv und gehen dabei auch neue Wege.“ So hat der NABU bereits mehr als 200 Botschafterinnen und Botschafter ausgebildet, die zum Beispiel Führungen anbieten. Online verfügbare Tourentipps laden dazu ein, den Hotspot auf eigene Faust zu erkunden. An einem Fotowettbewerb im ersten Projektjahr und einem noch bis Ende November laufenden Malwettbewerb haben sich insgesamt bereits über 260 Menschen beteiligt.

Gute Aussichten für die zweite Halbzeit

In den kommenden drei Projektjahren stehen unter anderem weitere Naturmanagement-Maßnahmen auf dem Programm. In Baden-Württemberg rücken dabei beispielsweise Trittsteinbiotope, die verschiedene Lebensräume miteinander verbinden, in den Fokus. Davon sollen etwa in der Saalbachniederung eine Vielzahl an Vogelarten wie Feldlerche, Grauammer oder Schwarzstorch profitieren. Ein Schwerpunkt in Rheinland-Pfalz wird auf der Entwicklung des Naturerlebnisgebiets bei Bingen liegen. Auf diesem modellhaften Gelände soll künftig die biologische Vielfalt am Oberrhein ganzheitlich erlebbar sein. „Natürlich kümmern wir uns parallel um die Bereiche, in denen wir die Entwicklung in den letzten drei Jahren angestoßen haben“, betonten Egeling und Fritzsch. Auch die Konzepte etwa für Deichpflege oder Beweidung sollen weiterentwickelt sowie Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung fortgeführt werden.

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