Mehr Raum für die Natur im Ort

Mehr Raum für die Natur im Ort

von Anke Beisswänger

v.l.n.r.: Marianne Leis-Messer (NABU), Martin Becker (Steinmauern), Robert Wein (Bischweier), Anja Lehmann (ILN Bühl) - Quelle: Hans Riemer
v.l.n.r.: Marianne Leis-Messer (NABU), Martin Becker (Steinmauern), Robert Wein (Bischweier), Anja Lehmann (ILN Bühl) - Quelle: Hans Riemer

Mit Bischweier und Steinmauern setzen sich jetzt gleich zwei Gemeinden im Kreis Rastatt im baden-württem­bergischen Teil des Hotspots für die bio­logische Viel­falt ein. Mit „Lebens­ader Ober­rhein"-Unter­stützung haben sie ins­gesamt über 300 Qua­drat­meter Lebens­raum für Stieglitz, Erd­hummel und Tagpfauen­auge geschaffen. „Solche naturnahen ‚Grünflächen‘ im Siedlungs­raum sind für viele Arten lebens­not­wendig, weil sie als ‚Trittsteine‘ Lebens­räume mit­einander verbinden. Denn der Natur geht immer mehr Raum verloren“, sagte Marianne Leis-Messer vom NABU bei der Vorstellung des Engagements der beiden Gemeinden. Und gerade deshalb sei dieser Einsatz so wertvoll. „Wir hoffen, dass andere Kommunen, und gerne auch Unternehmen, diesem Beispiel folgen. Und nicht zuletzt kann auch jede und jeder Einzelne im Garten oder auf dem Balkon selbst aktiv werden.“

Bischweiers Bürgermeister Robert Wein betonte: „Uns ist es wichtig, einen Beitrag für den Erhalt der Natur­vielfalt zu leisten. Umso besser, dass wir dabei auf fach­kundige Unter­stützung zählen können.“ Martin Becker, Stellvertreter von Bürgermeister Siegfried Schaaf aus Steinmauern, ergänzte: „Wir wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen, was sich in ihrer Gemeinde verändert und warum. Deshalb werden wir in Kürze Tafeln aufstellen, die über die neuen Lebens­räume informieren.“ Die beiden Gemeinde­vertreter sind überzeugt, dass die naturnahe Beetgestaltung nicht nur der Natur guttut, sondern auch für die Menschen schön anzusehen ist.

Heimische Stauden wie Glockenblume und Labkraut, Margerite und Wiesen-Witwenblume gehören zu den Pflanzen, die künftig in städtischen Beeten in Bischweier und Steinmauern dazu beitragen, die biologische Vielfalt am Oberrhein zu sichern. „Viele Insekten wie Käfer, Bienen und Schmetterlinge saugen Nektar aus den Blüten, fressen an den Blättern oder nutzen die Beete als ‚Kinderstube‘. Für viele Vögel stellen die Samen zudem eine wichtige Nahrungsquelle dar“, erklärte Marianne Leis-Messer. Anja Lehmann vom Bühler Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) ergänzte: „Es ist wichtig darauf zu achten, dass man heimische Arten pflanzt oder sät. Viele Zuchtformen blühen zwar oft scheinbar schön, produzieren aber zum Beispiel keinen Nektar. Trotz Blütenmeer finden Insekten dann einfach nur eine Wüste vor.“

Um optimale Grundlagen für ein reiches Nahrungsangebot auf den städtischen Flächen zu schaffen, wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauhöfe im Auftrag des Projekts „Lebensader Oberrhein“, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird, geschult. „Dabei haben wir einen erfahrenen Fachmann zu Rate gezogen, der schon viele monotone Rasenflächen in wahre Blütenmeere verwandelt hat“, sagte Lehmann.

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