30 Jahre ILN Bühl

30 Jahre ILN Bühl

von Anke Beisswänger

Institutsleiter Volker Späth (2. v. l.) in Aktion (Quelle: A. Beisswänger)
Institutsleiter Volker Späth (2. v. l.) in Aktion (Quelle: A. Beisswänger)

Vor 30 Jahren, genau am 15. April 1988, hat in Bühl das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) unter dem Namen „Institut für Ökologie und Artenschutz im DBV – Fachbereich Waldökologie“ im NABU offiziell seine Arbeit aufgenommen. Seitdem hat sich die „Startmannschaft“ kaum verändert, doch das Team ist gewachsen und mit ihm die Aufgaben. Das Kernteam um Diplomforstwirt Dr. Volker Späth, Biologe und Geograph Michael Hug sowie den Diplombiologen Arno Schanowski hat in 30 Jahren erfolgreich manches Mammutprojekt für den Naturschutz im Land angestoßen oder gestemmt und neue Wege im Naturschutz aufgezeigt.

Die Bilanz der vergangenen 30 Jahre kann sich sehen lassen: Sie reicht von der Projektskizze zum ersten Nationalpark des Landes über den Einsatz für eine zeitgemäße Jagd bis hin zu Luchspfad, „Lebensader Oberrhein“ und grenzüberschreitenden Interreg-Projekten mit Frankreich und den Niederlanden. „Für uns waren diese 30 Jahre wie eine spannende Reise durch den mitteleuropäischen Naturschutz“, so Späth. „Gleich welches Thema auf der Agenda steht – Bann- und Schonwälder, Wildtiere, Schutzgebiete, Natura 2000, oder Artenschutz – immer geht es dabei um die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Menschen und ihren Nutzungsinteressen“, betont Späth. Das ILN und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat gelernt, mit allen gut zu kommunizieren und deren Interessen zu verstehen: von Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung in Gemeinden, Landkreisen und Regierungsbezirken ebenso wie von Naturschützern, Försterinnen, Jägern, Landwirtinnen, Erholungssuchenden, Ingenieurbüros oder Baufirmen.

Nationalpark: Emotionsbeladenes Großprojekt
In den neunziger Jahren hat das noch junge NABU-Institut mit dem Vorschlag für den ersten Nationalpark in Baden-Württemberg für einen Paukenschlag gesorgt. „Angeregt von der Vielzahl der Großschutzgebiete im Osten Deutschlands erkannten wir, dass in Baden-Württemberg die Chance auf die Realisierung eines Nationalparks besteht“, erinnert sich Institutsleiter Volker Späth. Im Oktober 1991 stellte das ILN seinen Vorschlag für den Park im Nordschwarzwald den damaligen Ministern Vetter (Umwelt) und Weiser (Landwirtschaft) in Stuttgart vor. „Was uns damals erstaunte: Beide Minister stritten sich vor unseren Augen um die Federführung für dieses Projekt!“ Trotz der Anfangsdynamik brauchte es weitere 23 Jahre, um die vielen Skeptiker und harten Kritikerinnen zu überzeugen, bis der Nationalpark 2014 eingeweiht wurde. „Man konnte damals über Wildnis oder die Machbarkeit eines Nationalparks nicht sachlich diskutieren, zu sehr waren die Diskussionen und Gespräche gefärbt von tiefen Emotionen und persönlichen Wertvorstellungen“, so Späth.

Jagd zwischen Kirrung und Naturschutz
1999 brachte das ILN die Jagd als „naturnahe Landnutzung“ auf die Tagesordnung. Die zuvor umgesetzte Novellierung des Landesjagdgesetzes nutzten die Wissenschaftler, um der traditionellen Meinungsführerschaft des Landesjagdverbandes Paroli zu bieten – mit Erfolg.
Jagdexperte Michael Hug war wochenlang in den Jagdrevieren und Naturschutzgebieten Baden-Württembergs unterwegs und kartierte Fütterungsmissbräuche. „Unsere Ergebnisse und Fotodokumentationen mit von Backwaren und Mais gefüllten Futtertrögen, teils in geschützten Biotopen, waren erschreckend und aufrüttelnd. Unsere Broschüre zu den Fütterungsbestimmungen der Landesjagdgesetz-Durchführungsverordnung wurde zur Handreichung der damals oft überforderten Verwaltungsbehörden und war schnell vergriffen.“

Dem Luchs auf der Spur
In neuen Jahrhundert startete das ILN eine Kampagne für ein besonderes Wildtier: den Luchs. Im Jahr 2007 wurde die Idee für einen Luchspfad geboren, der im Jahr 2009 als Gemeinschaftsprojekt der Stadt Baden-Baden und des NABU im Stadtwald bei der Schwarzwaldhochstraße eröffnet wurde. Der auch vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord finanziell geförderte Erlebnispfad ist heute ein zentraler Anziehungspunkt im Nationalpark Schwarzwald.

Waldpolitik in der Folge von Orkanen
Mit Orkan „Lothar“ und dem ungewöhnlichen Trockenjahr 2003 rückten ab 2009 der Wald und die Forstwirtschaft wieder stärker in den Fokus. Der Ton zwischen Forstverwaltung und Umweltverbänden wurde rauer. „Massive Eingriffe in die alten Buchen, Stillstand beim Waldschutzgebietsprogramm, Aufweichung der naturnahen Waldwirtschaft – der Waldnaturschutz wurde wieder zum Top-Thema“, sagt Späth. Mit Unterstützung der grünen Landesregierung war es möglich, wieder stärkere ökologische Akzente zu setzen.

"Lebensader Oberrhein" - Pilotprojekt für feingliedrige Deichpflege
In den vergangenen fünf Jahren hat sich das ILN wieder stärker dem Naturschutz am Oberrhein gewidmet. Mit dem großen NABU-Projekt „Lebensader Oberrhein“ im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt sorgen die beiden Landesverbände Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für mehr Vielfalt im Biodiversitäts-„Hotspot“ zwischen Bingen und Bühl. Das ILN hat seit 2013 auf badischer Seite viele Maßnahmen geplant: von der Auflichtung von Waldbeständen auf Dünen und Sandstandorten über die Entwicklung neuer Sandrasenflächen bis hin zur Schaffung neuer Lebensräume für Amphibien und den Schlammpeitzger. An Rhein-Hochwasserdämmen zwischen Rastatt und Bingen wurden in drei Bundesländern Vegetation, Wildbienen und Tagfalter kartiert, um neue Konzepte für die Pflege der Hochwasserdämme zu entwickeln, die im Jahr 2018 erstmals auf einer Pilotstrecke im Landkreis Rastatt umgesetzt werden.

Naturschutz über Grenzen hinweg
Das ILN arbeitet am Oberrhein auch in einem deutsch-französischen „Interreg“-Projekt für den grenzüberschreitenden Artenschutz maßgeblich mit. Ziel sind eine grenzüberschreitende Strategie und Austausch zwischen den Partnern. Eine gemeinsame winterliche Wasservogelzählung gibt es bereits, mit dem NABU Südbaden und der LPO Alsace wird zudem an einer Strategie zur Koordination des grenzüberschreitenden Schutzes bedrohter Arten im Ramsargebiet Oberrhein/Rhin supérieur gearbeitet.

Weitere Informationen zum Institut gibt es auf dessen Homepage.

Hier finden Sie mehr zur Rolle der Deiche für den Naturschutz.

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