Biodiversitätsbotschafter/-innen engagieren sich

Biodiversitätsbotschafter/-innen engagieren sich

von Anke Beisswänger

Biodiversitätsbotschafter Dieter Borck im Einsatz für Wildkatzen
Biodiversitätsbotschafter Dieter Borck im Einsatz für Wildkatzen

Mit der Nachbarschaft im Natur­schutz­gebiet

Dieter Borck hat 2016 an der Biodiversitätsbotschafter-Ausbildung teilgenommen. Er ist durch den Info-Flyer auf das Angebot aufmerksam geworden – und hat sich direkt angemeldet. Seit seinem Ausstieg aus dem Berufsleben hat Naturschutz in seinem Leben einen hohen Stellen­wert: Er engagiert sich zum Beispiel für Wildkatzen, be­obachtet und kontrolliert das Ziegenmelker-Gebiet im Hartwald bei Hügels­heim – und hat im Sommer spontan eine Führung für Nachbarinnen und Nachbarn organisiert. So konnte er die Exkursion, die er im Rahmen der Bio­diversi­täts­bot­schafter-Ausbildung erarbeitet hat, gleich dem Praxistest unterziehen.

Der Zufall hat dazu geführt, dass du deine „Abschluss­exkursion“ direkt testen konntest. Wie kam es dazu?
In unserem Wohnviertel findet jedes Jahr vor den Sommerferien das traditionelle Straßenfest statt. An diesem Abend bin ich mit einigen Nachbarn über meine ehrenamtliche Tätigkeit im Naturschutz ins Gespräch gekommen und auch über meine NABU-Ausbildung zum „Biodiversitätsbotschafter“ für das Gebiet „Lebensader Oberrhein“. Nachdem ich ihnen ausführlich darlegen musste, welche Aufgaben ein solcher „Botschafter“ hat, war die Neugierde geweckt. Ich machte den Vorschlag, dass wir uns in der ersten Augusthälfte im Naturschutzgebiet „Stollhofener Platte“ treffen und ich ihnen gleich in der Praxis zeige, was ein Biodiversitätsbotschafter tut. Auf meine Ankündigung, dass zu dieser Zeit die Heide dort in voller Blüte steht und es (Ameisen-)Löwen und (Bienen-)Wölfe gibt, sah ich in lauter erstaunte und verwunderte Gesichter. Eine blühende Heide, so wie die Lüneburger Heide, direkt vor der Haustür? Löwen und Wölfe? …

Das heißt, deine Zuhörer/-innen waren sich gar nicht bewusst, was da Außergewöhnliches vor ihrer Haustür wartet?
Ja, das ist richtig und hat mich auch selbst völlig überrascht. Das Gebiet ist nur etwa fünf Straßenkilometer von unserem Wohngebiet entfernt und außerdem mit dem Fahrrad gut erreichbar. Es liegt unmittelbar am Grenzzaun des Flughafen­geländes „Baden-Airpark“, den bei uns natürlich jeder kennt.

Was fasziniert dich selbst an diesem Gebiet?
Da gibt es viele Punkte. Zum einen ist es die Faszination, was aus einem ehemals landwirtschaftlich, dann militärisch genutzten Gebiet werden kann, wenn man es weitgehend sich selbst überlässt und so weit wie möglich von menschlichen Eingriffen fernhält. Dann ist es die immense Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Die Tiere sind hier zwar klein und man sieht sie oft nur, wenn man vor ihnen „auf die Knie fällt“, aber sie sind umso interessanter, je mehr man sich mit ihnen beschäftigt. Dann ist da dieser ständige optische Wechsel der Landschaft über das ganze Jahr hinweg – vom Frühjahr bis in den Winter hinein. Selbst wenn man das Gebiet nur mit einem Tag Differenz durchstreift, sehen viele Dinge wieder anders aus. Und das Licht spielt eine große Rolle, ob man morgens, mittags, abends oder in der Dämmerung hier ist. Bei diesen Empfindungen spielt sicher auch meine Neigung zur Natur- und Wildtierfotografie eine große Rolle.

Und was hat die Teilnehmer/-innen besonders interessiert?
Die Teilnehmer hat es am meisten überrascht, wie abgeschirmt das NSG liegt, obwohl es von verhältnismäßig stark befahrenen Straßen „eingefasst“ ist, unmittelbar ans Flughafengelände grenzt und von diesem durch einen hohen Zaun (zum Glück) getrennt ist. Die Teilnehmer waren natürlich begeistert von den voll in der Blüte stehenden Heideflächen. Bemerkungen wie „Ich komme mir vor wie Herrmann Löns in der Lüneburger Heide“ waren häufig zu hören. Aber auch die Tierwelt im Kleinen hat sie beeindruckt und ich hatte dann auch noch das Glück, ihnen die auf dem Straßenfest versprochen Löwen und Wölfe präsentieren zu können. Blauflügelige Ödlandschrecken, verschiedene Schmetterlinge, Wespen, Wild­bienen, Libellen und sogar eine Zauneidechse und eine Blindschleiche haben sich blicken lassen. Viele kannten diese Tierarten gar nicht oder hatten sie noch nie gesehen.

Welche Rückmeldungen hast du bekommen zu dem spontanen Ausflug in den Hotspot vor der Haustür? Hat die Nachbarschaft vielleicht sogar Interesse an weiteren gemeinsamen Exkursionen signalisiert?
Die Resonanz und Rückmeldungen meiner Nachbarn sind positiv. Da man ja im gleichen Viertel wohnt und sich zwangsläufig häufiger trifft, wird immer gleich gefragt: „Na was macht dein Wildpark in der Stollhofener Platte?“ Eine weitere Exkursion ist schon angedacht. Da einigen bekannt ist, dass ich für die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg nach den Wildkatzen mit Telemetrie und Baldrian-Lockstöcken schaue, ist als nächstes eine Radtour „Auf den Spuren der Wildkatzen“ geplant. Diesen stelle ich im Übrigen auch im südlichen Teil des Hotspotgebietes mit großem Erfolg nach. Aber das wäre schon wieder ein anderes Thema …

Weißt du schon, ob und wie du künftig die Biodiversitätsbotschafter-Ausbildung nutzen kannst?
Ich kann und werde die Erkenntnisse aus der Biodiversitätsbotschafter-Ausbildung ganz sicher weiter nutzen und nach Möglichkeit ausbauen. So hat die Ausbildung als erstes meinen Horizont in der Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt im Oberrheingraben erheblich erweitert und meinen Blick auch für kleine Dinge geschärft. Sie wird mir persönlich bei meiner Arbeit als Hobby-Natur- und Wildtierfotograf helfen und mich begleiten. Sollten sich Gelegenheiten zu Führungen mit Themen ergeben, die mir liegen, werde ich diese natürlich wahrnehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!
  

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