Biodiversi­täts-Tipp des Monats

November 2018 - Vogelschutz im Winter

Amsel in Beerenstrauch (Foto: Mike Lane/fotolia)
Amsel in Beerenstrauch (Foto: Mike Lane/fotolia)

Wenn ab dem Spätherbst Lebkuchen und Weih­nachts­gebäck die Super­markt­regale füllen, dann stapeln sich nicht weit davon auch Berge mit Vogel­futter und Meisen­knödeln. Die Winter­fütte­rung kommt so sicher wie die schnee­freie Zeit um Weih­nach­ten. Die Winter­fütte­rung ist neben dem Auf­hängen von Nist­kästen wohl die be­lieb­teste Form des Vogel­schutzes. An Futter­stellen lassen sich die Tiere aus nächster Nähe be­obach­ten. So ist das Füttern nicht nur ein Natur­er­leb­nis, son­dern ver­mittelt zudem Arten­kennt­nis.

Gleichzeitig sollte man die Vogel­fütterung nicht mit effektivem Schutz bedrohter Vogel­arten ver­wechseln, da von ihr fast aus­schließ­lich wenig bedrohte Arten profi­tieren, die von der Natur so aus­ge­stattet wurden, dass ihre Bestände auch durch kalte Winter nicht dauer­haft reduziert werden. Vogel­fütterun­gen in Städten und Dörfern erreichen selten mehr als 10 bis 15 Vogel­arten, näm­lich vor allem Meisen, Finken, Rot­kehl­chen und Amseln. Futter­stellen werden also kaum von den­jenigen Vögeln genutzt, die Schutz brauchen.

Dort, wo Nahrung für Vögel knapp wird, sollte die Hilfe deshalb bei den Ursachen ansetzen. Wo natur­nahe Lebens­räume erhalten oder geschaffen werden, lässt sich tatsäch­lich viel Positives erreichen - von dem nicht nur wenige Arten profi­tieren. Garten­besitzer haben es selbst in der Hand, anstelle einer ein­tönigen Thuja­hecke und Einheits­rasen lebendige Viel­falt mit einem reichen natür­lichen Nahrungs­ange­bot zu schaffen und Un­kraut­ver­nichtungs­mittel wie auch Schnecken­korn aus ihrem Garten zu ver­bannen. Auch eine Pflanz­aktion mit der örtlichen NABU-Gruppe sorgt nach­haltig für Vielfalt.

Oder wie wäre es mit einem Engage­ment für unbewirt­schaftete Acker­rand­streifen in der Gemeinde? Unter­stützen wir Agrar­umwelt­pro­gramme, die Feld­vögeln ein erfolg­reiches Brüten mög­lich machen, die nach der Ernte Stoppel­felder belassen, in denen Vögel sowohl Nahrung als auch Schutz finden, und die den Pestizid­ein­satz in der Kultur­land­schaft endlich verringern! So erhalten wir Vogel­bestände als Teil einer intakten Umwelt. Dies ist unser Ziel im Vogel­schutz.

Projektbezug

Im Rahmen des Projekts Lebensader Oberrhein erfolgte auch ein Zuschuss zum Erweb der Naturerlebnisfläche „AuenLand“. Außerhalb des angrenzenden Naturschutzgebietes können Jung und Alt so die Biologische Vielfalt am Oberrhein hautnah erleben. Den Anfang machen Blühfläche, eine typische Hecke und ein periodisches Kleingewässer. Und selbstverständlich wird bei allen Anpflanzungen auf heimische Arten geachtet.

Durch Maßnahmen des Projekts werden ganz unterschiedliche Lebensräume gefördert oder auch neu geschaffen. Je nach Lebensraum gibt es unterschiedliche Nahrungsangebote, beispielsweise Insekten oder auch die Früchte und Samen der dort wachsenden Pflanzenarten. In den alten Eichen bei Gommersheim sind dies andere Arten, als in den nassen Wäldern bei Geinsheim oder den trockenen Kiefern, Heide und Sandstandorten. Und jeweils gibt es daran angepasste Vogelarten mit einer speziellen Strategie für den Winter. Manche verlassen als Zugvögel unsere Region in den Wintermonaten, andere suchen Insekten hinter der rauen Rinde alter Bäume und wieder andere picken die Samen vom Boden oder von stehen gebliebenen Stängeln und Büschen. So können durch ganz unterschiedliche Maßnahmen auch völlig verschiedene Arten unserer gefiederten Flugkünstler im Winter unterstützt werden.

Auch externe Partner des Projekts schaffen durch Anpflanzungen mit heimischen Arten Nahrungsangebote im Winter:
Werner & Mertz und NABU begrünen das Firmengelände im Sinne der Nachhaltigkeit
Bienenwiese – Ein Pilotprojekt mit der GAG Ludwigshafen
Straßenbegleitende Naturerlebnisfläche bei Haßloch
Bischweier und Steinmauern: Mehr Natur im Ort
Düne auf dem Firmengelände der VOG-Obstgenossenschaft
GEODIS in Bodenheim: Versickerungsfläche wird zur artenreichen Blühwiese entwickelt


Weitere Informationen auf www.NABU.de:
Ganzjahresfütterung kein Mittel gegen Vogelschwund
Tipps zur Vogelfütterung im Winter

 

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